Ciril Grossklaus erzählt uns von Rio

Die Spiele sind vorbei – die Resultate bekannt. Doch darüber hinaus gibt es einiges zu erzählen! Ciril nahm sich die Zeit, um uns vom «Drumherum» zu berichten. Spannende Themen von Unterkunft, Essen und angebliche Mückenplagen warten darauf, gelesen zu werden!


Von Ciril Grossklaus, Olympia-Judoka -90kg...

Vor rund einem Monat ist mein Traum einer olympischen Medaille mit der Startniederlage gegen Alexandre Iddir - vorerst - geplatzt. Der Unterschied war am Kampfende so minimal, man könnte jetzt anfangen zu diskutieren. Die Strafpunkte wurden meiner Meinung nach aber nicht falsch verteilt und es ist bequem und nicht meine Art, die Verantwortung auf die Kampfrichter abzuschieben.

Viel mehr nehme ich die Gewissheit aus Rio mit, dass ich mit der Weltspitze auf Augenhöhe kämpfe. Das gibt mir Motivation weiter an mir zu arbeiten, mich weiter zu steigern und in Zukunft die entscheidenden Details richtig zu machen.

Nun aber ein letzter Blick zurück, nicht mit Fokus auf den Kampf - darüber wurde schon genug geschrieben - sondern auf das ganze Drumherum, wie man so schön sagt...

Was vielleicht nicht jeder weiss: Luca, der Team-Physio, ist auch der Bruder von Ciril...

 

Unterkunft

Das olympische Dorf war wunderschön und unser Wohnturm hatte glücklicherweise keine erheblichen Mängel. Man konnte ja in der Zeitung lesen, dass die Australier nicht einziehen wollten. Es gab diesbezüglich Gerüchte, dass deren Wohnturm als letztes gebaut wurde und die Arbeiter nicht mehr bezahlt wurden, weshalb diese auch die Arbeit nicht mehr richtig erledigten oder sogar Sabotage begingen. Ob das wirklich stimmt?

«Viel mehr braucht es auch nicht...»

Auch kein Bauschutt oder lose Kabel oder Pfützen konnte ich ausmachen, wie uns die Boulevard-Blätter glauben machen wollten. Doch vielleicht, war ich einfach zu spät dort eingetroffen, um die Makel zu sehen, von denen täglich wieder ein paar behoben wurde, wie man so hörte. Was die Zimmer betraf, so waren diese tatsächlich sehr provisorisch eingerichtet. Aber mal ehrlich, ich konnte in diesem Bett aus Plastik ungelogen sehr komfortabel schlafen und viel mehr braucht es auch nicht.

Was voll und ganz darauf zutraf, was ich im Vorfeld gehört habe ist die euphorische Stimmung im olympischen Dorf. Einfach magisch - alle freuten sich da zu sein und brannten auf ihren Einsatz. Es ist irgendwie unglaublich. So viele Nationen an einem Fleck der Erde vereint und es herrscht einfach Friede. Das ist Sport, das ist Olympia!

 

Essen

Zur Verpflegung von 10’000 Athleten und Betreuer wurde ein riesiges Zelt im olympischen Dorf errichtet, wo Tag und Nacht warmes Essen zur Verfügung stand. Für eine solche Menschenmenge zu kochen ist nicht einfach, aber es war sicher in Ordnung. Ich habe – abgesehen von ein paar Fehlgriffen  immer irgendetwas gefunden, das mir einigermassen schmeckte.

"Ich esse auch mongolischen Schafskopf...“ 

Im Zusammenhang mit diesem Thema lernte ich übrigens die ausgefuchsten Techniken von gewissen Medienhäusern genauer kennen. Ich möchte eigentlich keine Namen nennen  weil ich auch sehr dankbar für die vielseitige und wohlwollende Berichterstattung bin  doch im HinBLICK auf die ominöse Schlagzeile: "Ich esse auch mongolischen Schafskopf“ musste ich einfach schmunzeln. Diese Aussage war nämlich keineswegs meine Antwort auf die Frage, wie das Essen in Rio sei, dazu wurde ich gar nicht befragt! Das Zitat stammte aus einem Gespräch zwei Wochen vor den Spielen, aus einem ganz anderen Kontext.

Immerhin war die Schlagzeile ein guter Brückenbauer für den Kontakt mit den anderen Schweizer Athleten, von denen sich einige neugierig bei mir erkundigten, ob das wirklich stimme. So sind ein paar interessante Gespräche entstanden.

 

Organisation

Was mich betrifft, hat alles sehr gut geklappt. Ich habe aber von anderen gehört, dass nicht alles einwandfrei funktionierte. Wer allerdings mit dieser Erwartungshaltung nach Südamerika reiste, ist meiner Meinung nach ein Stück weit auch selber Schuld. Auch zum Thema Sicherheit habe ich nichts Negatives gehört.

Gut, der eine Journalist, der vom Navi durch eine Favela gelotst und prompt überfallen wurde, fand das sicher nicht so lustig. Aber das blieb soweit ich weiss ein Einzelfall und ist aus meiner Sicht auch nicht ganz unverschuldet. Was Trickdiebe im Zentrum der Stadt betrifft, so kann ich gar nicht mitreden, wir waren ja hauptsächlich im olympischen Dorf oder in der Carioca Arena im Olympia-Park.

 

Mücken

Ich denke, das ist ein weiterer Fall, wo viele Medien einfach auf den "Angstmache-Schlagzeilen-Zug“ aufgesprungen sind. Ein riesiges «Bla Bla» und vor Ort war der Zika-Virus jedoch absolut kein Thema. Ich habe  ohne zu flunkern (!) – keine einzige Mücke gesehen oder gehört! Niemand hat davon noch gesprochen.

«keine einzige Mücke gesehen oder gehört... »

Es ist nicht so, dass die Gefahren des Zika-Virus für Schwangere nicht vorhanden sind. Doch bei diesem Klima in Rio es war ja Winterzeit und somit ziemlich kühl und windig – schien die Angst vor einer Epidemie irgendwie ziemlich fehl am Platz.

 

Eröffnungsfeier

Das war emotional ein absoluter Höhepunkt. Klar, man brauchte einiges an Geduld für diese Zeremonie. Es dauert Stunden von der Abfahrt im olympischen Dorf bis zum Einmarsch im legendären Maracana Stadion. Zuerst versammelte sich die Schweizer Delegation, erhielt letzte Informationen, wartete auf den Shuttle. Dann bis zum Ziel waren wir beinahe zwei Stunden unterwegs, wo wir zunächst im kleineren Nebenstadion Platz nahmen und die Show auf Grossleinwand verfolgen konnten. Irgendwann wurde Nation um Nation aufgerufen, die Schweiz mit dem «S» als Anfangsbuchstabe natürlich erst nach mindestens einer weiteren Stunde.

«emotional ein absoluter Höhepunkt...»

Dann endlich wieder Bewegung. Die Warteschlange bis zum benachbarten Maracana Stadion ist aber nicht zu unterschätzen, nochmals über eine Stunde und dann endlich ist er da, der grosse Augenblick. Dieser besondere Moment dauert dann auch allzu kurz – du läufst gerade mal einmal quer durch das Feld doch die ganzen Gefühle dabei, die Freude und der Stolz, dass man hier ist und die x-tausend jubelnden Zuschauer sowie das Wissen, dass die ganze Welt auf dich blickt, machen ihn zu etwas Unvergesslichem...

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