WM 2021, - Benar Baltisberger

WM: Ciril Grossklaus über Favoriten, seine Olympia-Hoffnung und Tipps für den Nachwuchs

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Ein letzter Auftritt auf der Weltbühne? Wir blicken der grossen Herausforderung hoffnungsvoll entgegen und sagen: «Du packst das, Ciril!». Der Athlet selbst als auch Coach Budolin sind überzeugt, dass das Ziel der Olympischen Spiele realistisch ist. 

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Grossklaus vor der WM: «Wenn man regelmässig die Favoriten schlagen will, muss man selbst ein Favorit sein.»

Wie sollte es anders sein, die Spannung spitzt sich einmal mehr zu und alles läuft auf das entscheidende, letzte Turnier hinaus – und es wird kein geringerer Event als die Weltmeisterschaft selbst sein. Ciril Grossklaus, Kämpfer der -90kg-Klasse und Aushängeschild des Schweizer Judo über die vergangenen Jahre steht als Weltnummer 36 nun mit dem Rücken zur Wand. Doch «it ain't over till it's over», wie man so schön sagt! Und die besten Erfolgsstories wollen schliesslich verdient sein.

Sicher ist: Es wird die letzte WM von Ciril Grossklaus sein. Ob es auch der letzte Wettkampf seiner Karriere sein wird, hängt vom Ausgang des Turniers ab. Es braucht den Exploit! Die Hürde für Tokio 2021 ist gross, doch ist ihm diese Aufgabe zuzutrauen… 
 

'Grossklaus brilliert an der WM und sichert sich das Olympia-Ticket in letzter Minute' – Das wäre doch eine Schlagzeile, oder?

«Allerdings. Sie befeuert meine Vorfreude und widerspiegelt meine Zielsetzung. Vor fünf Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es am Ende auf diesen einen Wettkampf ankommt. Nun wird es richtig spannend – umso schöner wird der Moment sein, wenn ich die Hürde genommen habe.»

Welches Resultat wird nötig sein, um den Zug nach Tokio 2021 noch zu erwischen?

«Ich muss mindestens das Viertelfinale erreichen. Stosse ich in die Top-7 vor und Nils bringt die direkte Qualifikation ins Trockene, habe ich gute Chancen auf die Kontinentalquote. Der Nationaltrainer und ich trauen uns das zu – und wer weiss, was an einem perfekten Tag passieren kann?»

Natürlich, im Judo ist alles möglich! Doch was ist dein Plan, wie willst du dieses grosse Stück Arbeit bewältigen?

«Es gibt keine Zaubertricks. Meine Aufgabe ist es, am Kampftag den optimalen Leistungszustand zu erreichen. Damit mir dies gelingt, habe ich in den letzten Jahren viele Abläufe erarbeitet, die in meine Vorbereitung einfliessen. Auf dieser liegt nun mein Fokus.»

In deiner Karriere hattest du immer wieder bewiesen, dass du grosse Gegner besiegen kannst. Was braucht es, um nicht nur einen, sondern mehrere Favoriten am selben Tag zu schlagen?

«Eine Überraschung ist immer möglich, auch mehrmals hintereinander. Das liegt in der Natur des Zweikampfes. Eine Taktik, dass das immer gelingt, gibt es nicht. Wenn man regelmässig die Favoriten schlagen will, muss man selbst ein Favorit sein.»

Es wird deine letzte WM sein. Du hast bis hierhin beeindruckende Leistungen gezeigt, bist für viele Kids ein Vorbild und für Nachwuchs-Athlet*innen eine Inspiration. Ob es am Ende nun für Olympia reicht oder nicht: Was ist deine Botschaft für die «Grosskläuse» von Morgen?

«Vom Olympia-Sieg zu träumen ist eine gute Sache. Achtet trotz dem nötigen Ehrgeiz auf eure Gesundheit, denn der Weg dorthin ist lang und steinig. Die Freude am Judo soll immer an erster Stelle stehen. Und noch dies: Erfolg ist schön. Aber der Charakter, die innere Haltung, macht einen Champion aus.»