WM 2021, - Benar Baltisberger

WM-Bronze für Fabienne Kocher!

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Sensationeller Erfolg für die Schweizer Judoka Fabienne Kocher – Die Athletin der Kategorie -52kg  gewinnt bei der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille. Evelyne Tschopp scheiterte knapp vor den Top-7.

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Kopf, Herzblut, Siegeswille – Fabienne Kochers Plan ging auf und die WM-Medaille ist Tatsache! | SJV / Paco Lozano.

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 «Einen starken Kopf, viel Herzblut und eiserner Siegeswille» – so lautete Fabienne Kochers Antwort im Vorfeld auf die Frage, was es für ein Top-Resultat bei dieser WM brauche. Und ihr Plan ging schliesslich auf! Von Beginn weg und in jeder Sequenz war an diesem Tag erkennbar, dass die Schweizerin hoch hinaus wollte. Eine konsequente Linie im Griffkampf und ein starker «Sangaku-Gatame» verhalfen der Judoka vom JC Uster bei der diesjährigen Weltmeisterschaft zu diesem bedeutsamen Erfolg. Nach insgesamt fünf Siegen und einer Niederlage im Halbfinale durfte sich Fabienne die verdiente Bronzemedaille umhängen lassen.

«Starker Kopf»

Den starken Kopf bewies Fabienne gleich zum Turnieranfang. Mittels ihrer Spezialtechnik im Bodenkampf, einem Sangaku-Gatame, sicherte sie sich die ersten beiden Siege gegen Sofia Asvesta (CYP) und Irem Korkmaz (TUR). Für die Schweizerin, die in der Weltrangliste deutlich vor letzteren zwei Kontrahentinnen lag, waren dies sicherlich Pflichtsiege, sollte sie sich in den vorderen Rängen platzieren wollen. Die wegweisende Hürde wartete schliesslich im dritten Kampf: Weltnummer 7 und Siegerin des diesjährigen Grand Slam in Tel Aviv (ISR) Chelsie Giles. Mit einer Waza-Ari-Führung schien die Britin zunächst ihrer Favoritinnenrolle gerecht zu werden. Doch Fabienne fand immer besser in den Kampf, schaffte den Ausgleich und holte sich den Sieg mit einem zweiten Waza-Ari – der wichtige Einzug ins Viertelfinale war geschafft. 

«Eiserner Siegeswille»

Die Historie zwischen Fabienne und Gefen Primo, ihrer Viertelfinalgegnerin aus Israel, war zum Zeitpunkt ausgeglichen: beide konnten bisher zwei Duelle für sich entscheiden. Der Kampf gestaltete sich entsprechend ausbalanciert, doch war deutlich erkannbar, dass die Schweizerin das Geschehen dominierte. Dies sah der Unparteiische korrekt und so folgten die ersten beiden Bestrafungen während der regulären Kampfzeit. Der eiserne Siegeswille bestärkte Fabienne ebenso im Goldenscore, wo die dritte und entscheidende Bestrafung gegen Primo erfolgte.
Das Finale schien zum Greifen nah, doch mit Ana Perez Box (ESP) wartete erneut eine schwierige Herausforderung. Fabienne wich kaum ab vom Erfolgswille, blieb standhaft bis zum Goldenscore, allerdings behielt die Spanierin zum Schluss das bessere Ende für sich und punktete mit Waza-Ari. Fabienne wurde ins kleine Finale verwiesen. 

«Herzblut»

Joana Ramos (POR) lautete die letzte Aufgabe des Tages. Schliesslich war das Herzblut der Schweizerin gefragt. Sich trotz einer Niederlage noch einmal aufraffen, noch einmal maximalen Einsatz zeigen und das volle Potenzial abrufen – an gewissen Punkten entscheidet es sich: hat man nur Talent oder auch das Herz eines Champions? Mit Sicherheit können solch nachdenkliche Fragen unterschiedlich beantwortet werden. Man erlaube es an dieser Stelle: Ja, Fabienne zeigte das Herz eines Champions. Und nicht nur deshalb, weil sie den Kampf gewonnen hatte. Sondern weil man ihr nach der dritten Bestrafung gegen Ramos, obschon diese korrekt war, ansah, dass sie den Sieg lieber selber durch eine Technik holen wollte als durch den Entscheid der Unparteiischen.

Doch am Ende zählt der Sieg und Fabienne Kocher hat sich diese grosse Medaille mehr als verdient! Mit Kopf, Siegeswille und Herzblut… an alle jungen «Kochers» von Morgen: So wird's gemacht!

Historischer Erfolg

Eine Medaille bei einem Prestige-Event wie der Weltmeisterschaft bringt immer einen geschichtsträchtigen Charakter mit sich. Für die Schweiz und den SJV hat dieser Erfolg einen besonderen Stellenwert, da es eben nicht alltäglich ist. Zuletzt holte sich Monika Kurath im Jahr 1997 eine WM-Medaille für das Schweizer Frauenteam – es war die bislang einzige. 


Sieg und Niederlage für Evelyne Tschopp

Als gesetzte «Nummer 8» des Turniers profitierte Evelyne Tschopp von einem Freilos in der ersten Runde. Im 1/16-Finale besiegte die Athletin vom JC Cortaillod-NE zunächst die Weltnummer 66 aus Serbien, Nadezda Petrovic. In der Folge lief es für Evelyne nicht mehr wunschgemäss: Im 1/8-Finale unterlag sie der Portugiesin Joana Ramos mit zwei Waza-Ari. Evelyne blieb damit knapp ausserhalb der Top-7.