WM 2021, - Benar Baltisberger

Athletin und Coach über den WM-Erfolg

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Fabienne Kocher: «Es hatte einfach alles gepasst. Ich war bereit für die Kämpfe!»

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«Teamwork»: Fabienne Kocher und Coach Alex Budolin dürfen sich über den WM-Erfolg freuen. | SJV / Paco Lozano.

«Es ist einfach der Wahnsinn!», so Fabienne Kochers erste Reaktion nach der gewonnenen Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2021 in Budapest (HUN). «Eine Achterbahn der Gefühle, ich bin immer noch überwältigt. Es macht mich glücklich, aber auch sehr stolz, dass ich für die Schweiz diese Medaille gewinnen konnte.» Schliesslich hat der Erfolg auch historischen Wert, erst als zweite Schweizer Athletin nach Monika Kurath (Bronze 1997) darf Fabienne diesen Erfolg feiern. Alles in allem ist es das sechste Schweizer Edelmetall bei Weltmeisterschaften: 1965 holte Frédéric Kyburz Bronze, Silber gab es für Eric Born 1993, Sergei Aschwanden glänzte 2001 mit Bronze und 2003 mit Silber.

Man stelle sich den Moment kurz vor dem Bronzefinal vor – was geht den Judoka vor einem solch wichtigen Kampf durch den Kopf? Insbesondere, da Fabienne wusste, dass sie die Portugiesin Ramos bereits zuvor besiegte… «Ich will diese Medaille unbedingt», war der Gedanke der Schweizerin. «Ich wusste, der Sieg ist möglich, aber auch, dass Ramos keine einfache Gegnerin sein wird. Daher musste ich einfach fokussiert bleiben und unsere Taktik bis zum Ende durchziehen.» Und die Strategie schien aufzugehen. Fabienne dominierte das Kampfgeschehen und zwang ihre Kontrahentin zu mehreren Fehlern, die schliesslich zur dritten Bestrafung führten. 

Dass die 27-Jährige vom JC Uster das Potenzial für die Weltspitze hat, zeigte sie bereits mit zwei WM-Medaillen bei den U21 damals 2011 und 2013. Eine solcher Erfolg bei der Elite ist selbst für Favoritinnen kein Selbstläufer und manchmal braucht es einfach den richtigen Tag. Was machte den 7. Juni also am Ende aus? «Schwierig zu sagen, aber es hatte einfach alles zusammengepasst», freut sich Fabienne. «Ich habe mich einfach super gefühlt und war bereit für die Kämpfe.»

Gemeinsam gedeihen – wenn man so will – als Grundprinzip des Judo ist das abschliessende Stichwort und leitet das Wort zum Nationaltrainer Alex Budolin. Wie erklärt sich der Coach diesen grossen Erfolg? «Teamwork und die unglaubliche Leistung von Fabienne heute – Sie hat sich diese Medaille verdient.» Und wenn man sich die emotionalen Momente vor Augen hält, stellt sich auch die Frage, was der Erfolg für Alex selber bedeutet. «Ich durfte früher meine eigenen Medaillen gewinnen, doch diese Erfolge heute gehören den Athletinnen allein», resümiert der Coach bescheiden, «Ich geniesse einfach meinen Job und freue mich über die emotionalen Momente der Judoka. Man erhält soviel zurück, es ist unglaublich». Nichts hinzuzufügen.