Olympische Spiele, - Benar Baltisberger

Kocher nach Olympia: «Es wäre schade, jetzt aufzuhören»

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Diplom-Gewinnerin Fabienne Kocher im Interview nach den Olympischen Spielen: Wie sie sich über Nachrichten freute, wo sie sich noch verbessern will und wie es im kommenden Jahr weitergeht.

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Solider «Sangaku Gatame»: Fabienne vertraut ihren Fähigkeiten. | SJV / Paco Lozano

Sie kämpfte sich auf den fünften Rang in Tokio und in die Herzen der Schweizer Judo-Fans. Fabienne Kocher erreichte bei den Olympischen Spielen, was noch keine Schweizer Judoka vor ihr schaffte. Zusammen mit der WM-Bronzemedaille sorgte die 28-Jährige für die bedeutsamsten Ergebnisse für das Schweizer Judo innerhalb der letzten Jahre. 

Fabienne ist überzeugt, dass sie ihr volles Leistungsvermögen noch nicht erreicht hat. Mit Mut und Selbstvertrauen will die Judoka auch in Zukunft den Weg im Leistungssport weiterverfolgen. Die Spiele in Paris 2024 winken als Fernziel für die Athletin. 

 

WM-Bronze und nun die Leistungsbestätigung mit einem 5. Rang und Olympia-Diplom. Klingt nach einer grossartigen Saison, nicht?

«Definitiv, mit ein wenig Abstand betrachtet. Klar bin ich noch enttäuscht, dass es nicht für die Medaille reichte. Aber mit etwas Zeit kann ich sicher zufrieden zurückblicken. Eine WM-Medaille und nun der Einzug ins Halbfinale bei Olympia – das hat nicht jede erreicht und ist etwas Grossartiges. Das i-Tüpfelchen hat zwar gefehlt, aber es war ein gelungener Saison-Abschluss für mich. »

 

Du warst enttäuscht über die verpasste Medaille. Trotzdem findet die gesamte Schweizer Judo-Community lobende Worte für deinen Einsatz. Was gibt dir das für ein Gefühl?

«Es waren so viele Nachrichten, die ich über Social Media und per WhatsApp erhielt, das war wirklich unglaublich. Als Judoka ist man sich eine solche Aufmerksamkeit nicht gewohnt, aber dass so immens viele Leute morgens um 4 Uhr aufstehen und mitfiebern, ist ein absolut einzigartiges Gefühl. Nach dem Bronzefinal war ich sehr enttäuscht, doch als ich begann die Nachrichten zu lesen von Freunden, Familie, Teamkollegen, ja sogar von Leuten, die ich nicht mal persönlich kenne, war das ein tolles Gefühl und es hat mich sehr aufgemuntert.  »

 

Was nimmst du persönlich aus Tokio und den Olympischen Spielen nachhause?

«Ich nehme noch mehr Selbstvertrauen und Mut mit aus Tokio. Ich stand im Halbfinale und konnte mein WM Resultat bestätigen. Ich weiss, dass ich vorne mithalten kann. Es ist definitiv noch ein Schritt zu Athletinnen vom Format Abe oder Buchard, aber mit allen anderen kann ich mithalten und habe gute Siegeschancen.»

 

Was denkst du, woran wirst du in künftigen Trainings arbeiten müssen, um dich weiter zu verbessern?

«Ich kann mich sicher im technischen Bereich noch verbessern. Gerade wenn es ums Werfen geht. Bei diesem Wettkampf waren allerdings schon Fortschritte spürbar, ich 'musste' keinen Kampf mit Strafen gewinnen. Meine Fähigkeiten bei den Renraku-Waza (Kombinationen) sind noch ausbaufähig und im Griffkampf kann ich noch zulegen.»

 

Wie sieht dein Programm in naher Zukunft aus?

«Jetzt geht es erstmal in die Ferien. Ich werde die wohlverdiente Pause geniessen und wieder Kraft tanken nach dieser sehr intensiven Olympiade. Gegen Ende des Jahres geht es weiter mit Wettkämpfen.»

 

Gibt es Perspektiven für das kommende Jahr?

«Die Qualifikationsphase für Paris 2024 wird bald wieder anfangen. Ich werde sicher weitermachen. Nun habe ich ein gewisses Niveau erreicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es wäre schade, jetzt aufzuhören. Wir werden sehen, wie die Turniersaison im Jahr 2022 aussehen wird, aber es erwartet uns sicher wieder eine intensive Saison mit einigen Turnieren und Höhepunkten. »