EM 2022, - Benar Baltisberger

Coach Budolin: «Die Athleten treffen ihre eigenen Entscheidungen»

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Judo Nationaltrainer Aleksei Budolin im Interview nach der erfolgreichen Europameisterschaft in Sofia (BUL). 

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Team: Daniel Eich mit Coach Alex Budolin.

Alex, auch dir herzliche Gratulation zum Bronzeerfolg von Dani Eich. Das war rückblickend ein hartes Stück Arbeit…

«Allerdings, ja. Das wird in der Rückschau insbesondere mit Blick auf die Auslosung bewusst. Dani hatte einen sehr schwierigen Pool mit einigen Topathleten erwischt – keine leichte Aufgabe!»

Der erste Kampf gegen Kumric (CRO) könnte man aber bereits als Pflichtaufgabe werten, richtig? 

«Es war gut, dass Dani seine erste Runde nicht direkt gegen einen Favoriten oder einen gesetzten Athleten bestreiten musste. Ich war überzeugt, dass er ihn schlagen kann, das hatte er letztes Mal bereits mit zwei Waza-Ari gemeistert. Folglich ging ich davon aus, dass Dani mit einer guten Einstellung sowie selbstbewusst antreten und mit seinen starken Techniken punkten wird. Das verlief planmässig.»

Wie hast du den weiteren Verlauf des Wettkampfs erlebt?

«Ab der zweiten Runde nahm das Wettkampfniveau rasant zu. Der Serbe Aleksandar Kukolj gehörte zu den gesetzten Athleten und durfte entsprechend als Favorit gewertet werden. Gegen den Linkskämpfer war es umso wichtiger, dass wir taktisch eine klare Linie fuhren. Zu Beginn lief zwar noch nicht alles wie vorgesehen, doch zum Schluss konnten wir zum richtigen Zeitpunkt den Kampf gewinnen. Das war keine einfache Angelegenheit.»

Und es ging nicht einfacher weiter! Was war das Erfolgsrezept gegen Varlam Lipertaliani (GEO)?

«Richtig. Man muss die Vorteile erkennen, die auf unserer Seite waren. Genau wie Kukolj ist Lipertaliani kein junger Athlet mehr – er gehört zu den Besten über die letzten Jahre und hat unglaublich viel Erfahrung. Zum anderen ist es aber so, dass diese Athleten nicht mehr in der selben Topform sind, wie bei vergangenen Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Trotz allem ist ein Athlet wie Lipertaliani jederzeit brandgefährlich mit seinem technischen Repertoire, wie man gesehen hatte. Dani nutzte seine Chance mit einem Konter kurz vor Kampfende, das hat er super gemacht. »

Was lauteten denn die konkreten Anweisungen gegen den Georgier?

«Die Taktik war, in erster Linie eine gute Position zu wahren und ihm dabei nicht den rechten Arm zu geben. Besondere Vorsicht war im Bodenkampf geboten. Dani hatte das gut umgesetzt. Zwar gab es einige gute Angriffe von Lipertaliani, denen er aber ausweichen konnte und er war selbst aufsässig mit seinen Angriffen.»

War die Niederlage im Halbfinale, angesichts der starken Form von Dani, überraschend?

«Die erste Überraschung war, dass Kuczera überhaupt der Gegner war im Halbfinale. Er hatte den amtierenden Weltmeister, Jorge Fonseca (POR), aus dem Turnier geworfen. Das war beachtlich für den Polen, der von der Klasse -90kg auf -100kg wechselte. Der Kampf gegen den etwas leichteren Gegner, der sich viel bewegte und gute Angriffe ansetzte, war schwierig. Dani versuchte sein Bestes, konnte aber mit den Seoi-nage-Angriffen seines Konkurrenten nicht gut umgehen. Kuczera war zwar nie richtig gefährlich, doch dafür immer aktiv und siegte mit Strafwertungen. »

Um Bronze galt es nochmals einen Favoriten zu schlagen. Warum war der Schweizer der Bessere?

«Ja, Elmar Gasimov (AZE) ist wahrlich ein bekannter Zeitgenosse und grossartiger Judoka. Und Dani hatte vor dem Bronzekampf mit leichten Kniebeschwerden zu kämpfen. Wir konnten das aber glücklicherweise vor dem Einsatz mit einem Physio abklären, der uns grünes Licht gab. Auf den Matten war es wiederum wichtig, mit starkem Griffkampf und Position zu dominieren – und natürlich mental mit absolutem Siegeswillen anzutreten. Seine Leistung auf den Matten haben wir ja gesehen: Eine starke Offfensive nach vorne, gefolgt von einem Richtungswechsel mit O-uchi-gari. Es war wichtig, gegen einen Gegner wie Gasimov mit Ippon zu gewinnen.»

Wieviel Anteil hat der Coach an diesem Erfolg und welchen Einfluss auf die Athleten?

«Meiner Meinung nach ist es so, dass der Coach dem Athleten zwar Ratschläge und Inputs gibt, doch am Ende sind es die Judoka selber, die ihre Entscheidungen auf den Matten treffen. Dani hat das genau so gemacht. Er hörte genau zu, was ich ihm sagte, doch auf den Tatami war er es, der die Entscheidungen traf. Das ist wichtig, damit er sich auch weiter entwickeln kann. Für den jungen Athleten hat alles erst begonnen. Wir hoffen natürlich, dass er künftig mit noch mehr Erfahrung und Stärke weiter aufsteigen kann.»


Und was meint Daniel Eich zu seinem Erfolg? Lies es auf Social Media:

 

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