Kuatsu, - R. Tschopp / H. Bucklar / B. Baltisberger

Kuatsu in den eigenen vier Wänden

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Harry Bucklar und Reta Tschopp erklären, warum sich die Methoden und Inhalte des Kuatsu als ideale Trainingseinheiten zuhause erweisen. Auch die Verletzungsprävention spielt bei der Rückkehr auf die Matten eine wichtige Rolle.

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Experten in Kuatsu-Fragen: Harry Bucklar und Reta Tschopp.

Der facettenreiche Charakter unseres Verbandes und die verschiedenen sportlichen Aktivitäten sind wohlbekannt. Zu vielen Themen haben Vereine, Athleten und Funktionäre des Verbandes verschiedene Varianten gezeigt, wie sich zurzeit zuhause effektive Trainings gestalten lassen.

Das Potenzial reicht aber noch tiefer. Auch die Übungen und Techniken im «Kuatsu» können durch gezielte Routine und Wiederholung gefestigt werden. Wer bereits Grundkenntnisse aus einem Kurs mitbringt, ist entsprechend im Vorteil. Aber auch gerade jetzt, in der Phase der schrittweisen Rückkehr auf die Tatami, sind die allgemeinen Lehren des Kuatsu umso wichtiger: es geht wesentlich um die Prävention von Verletzungen. Reta Tschopp und Harry Bucklar erklären es gemeinsam im Interview…
 

Kuatsu in den eigenen vier Wänden… geht das überhaupt?

H.B. / R.T. : «Kuatsu eignet sich ausgezeichnet für das Home-Training, es braucht wenig Platz und kann praktisch überall zur Anwendung kommen. Das Schadenpotenzial an Mobiliar und Wohnungseinrichtung ist im Gegensatz zu anderen Aktivitäten minimal.»

 

Übt man Techniken alleine, oder braucht es einen Partner?

«Es gibt durchaus Kuatsu-Techniken, die man alleine zuhause üben kann. Der Kombinationsstoss als wichtige Technik bei Herz-Kreislauf-Stillstand eignet sich zum Beispiel gut dazu. Als ‚Patient’ kann da ohne Weiteres ein Kissen, das Sofa oder eine Matratze zur Hand genommen werden. Damit lässt sich problemlos die Schlagstärke und Präzision trainieren. Eine andere Möglichkeit ist das Arbeiten mit interessierten Familien-Angehörigen. Mit einem geeigneten Partner lassen sich sehr viele Kuatsu-Griffe üben. Eine Technik, die sich besonders dafür anbietet, ist der Zangengriff am Nacken gegen Kopfschmerzen und Nasenbluten, oder auch die Geschwürdruck-Methode. Da die Familien-Angehörigen oft nicht aus der Budo-Szene stammen, kann gleichzeitig das Vorgehen bzw. der Umgang mit dem ‚ahnungslosen’ Patienten trainiert und Zusammenhänge sowie Techniken für den Laien verständlich erklärt werden. Möglicherweise lassen sich damit einige neue Kuatsu-Fans generieren.»

 

Kuatsu beschäftigt sich sehr mit Vorausschau. Könnte es Probleme für den Breitensportler bei der Rückkehr auf die Matten geben?

«Wenn man aus irgendeinem Grund eine mehrwöchige Trainingspause einlegen muss, ist in erster Linie Folgendes zu beachten: Man muss sich bewusst sein, dass nicht dort weiter gemacht werden kann, wo man aufgehört hat. Es braucht einen mehr oder weniger grossen Schritt zurück, weil sich der Mensch erst wieder an die körperliche Belastung gewöhnen muss. Dieser Vorgang benötigt etwas Zeit. Um Verletzungen vorzubeugen, ist es sinnvoll, gegenüber den letzten absolvierten Trainings mit weniger Intensität und/oder kürzerer Trainingszeit zu beginnen. Die Auswirkungen einer Überlastung in Form von Muskelkater und Schmerzen zeigen sich erst nach der nächsten Ruhepause, also meist am nächsten Morgen! In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass man noch etwas stärker zurückfahren sollte. Treten keine dieser Symptome auf, kann die Belastung getrost etwas gesteigert werden.»

 

Welche präventiven Massnahmen kann der Sportler selbst treffen?

«Die beste Verletzungs-Prävention ist die Erhaltung der körperlichen Fitness. Im Wesentlichen umfasst dies die Bereiche Beweglichkeit, Kraft, Koordination sowie Kondition. Vor der Rückkehr auf die Tatami empfiehlt es sich, in all diesen Bereichen zu arbeiten resp. nichts zu vernachlässigen. In den Budo-Sportarten ist der ganze Körper gefordert! Man könnte die Situation mit einem Schemel vergleichen: sind alle Beine gleich lang, steht der Schemel stabil. Ist auch nur eines kürzer, wackelt er oder fällt sogar um.»

 

Welche Vorkehrungen sind den Trainingsleitern zu empfehlen?

«Bei Wiederaufnahme des Trainings nach einer Pause, wie wir sie gerade erlebt haben, muss der Trainer davon ausgehen, dass nicht mehr alle auf dem gleichen Fitness- und Ausbildungsstand sind wie zuvor. Ziel ist es, wieder alle an ein ausgeglichenes Level in der Gruppe heranzuführen.
Vor allem jetzt, in der Phase ohne Körperkontakt, kann man sehr gut nach dem Aufwärmen mit leichteren Koordinations- und Kraftübungen arbeiten. Mögliche Defizite einzelner Trainingsteilnehmer lassen sich so gut erkennen. Durch individuelle Übungen können diese aufgearbeitet werden. Im weiteren Verlauf folgen z.B. Judo- oder Ju-Jitsu- adaptierte Bewegungsabläufe in Form von Tandoku Renshu oder Uchi-Komi. Dabei kann man auch mit Therabändern und anderen Hilfsmitteln arbeiten, um z.B. das Gewicht oder den Widerstand von Uke zu simulieren. Sobald der Körperkontakt wieder erlaubt sein wird, ist die Vorarbeit bereits geleistet und man kann sofort loslegen mit dem vertrauten Training.»

 

Auf welche Art lässt sich das Ganze auch positiv betrachten?

«Neben allen negativen Folgen einer Krise, gibt es auch immer Chancen. Es ist wichtig, dass das Hygiene-Bewusstsein, das jetzt durch die Corona-Krise in den Köpfen der Bevölkerung reaktiviert worden ist, nicht wieder verloren geht. Zu lange wurde dieses Thema sehr stiefmütterlich behandelt. Für jede neue Epidemie oder Grippewelle, ja ganz allgemein zur Infektionsprophylaxe, gilt es die bekannten Hygiene-Regeln des Bundesamtes für Gesundheit BAG [modifziziertes Plakat des BAG] und die spezifischen Trainingsvorkehrungen vom SJV Schutzkonzept zu befolgen.»

 

 


 

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