Ju-Jitsu, - S. Jokl / B. Baltisberger

Duo-System: Explosivkraft ist gefragt!

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Wie wird man eigentlich Top-Athlet im Ju-Jitsu Duo-System? Sofia Jokl erklärt es im Interview.


Duo-System: Sofia Jokl und Thomas Schönenberger

Actionreich, spektakulär, schlicht ein Eyecatcher – zugegeben, man muss nicht viel vom Ju-Jitsu Duo-System verstehen, um sich am Spektakel zu erfreuen. Die Nachvollziehbarkeit der einzelnen Bewegungsabläufe verliert sich für den Laien rasch im rasanten Schlagabtausch der beiden Akteure. Dem unverkennbaren Schauspiel tut dies aber keinen Abbruch. Duo-System macht Laune. 


Doch wie funktioniert es?

Ganz so kompliziert ist es nicht, wie es vielleicht den Anschein macht. «Duo» lässt erahnen, dass es sich um einen Teamsport mit einem Partner handelt. Möglich sind drei Kategorien: Damen, Herren oder Mixed. Im Wettkampf treten immer zwei Duos derselben Kategorie gegeneinander an. 

Im Ablauf gibt insgesamt drei Serien (A, B, C). Jede Serie beinhaltet vier mögliche, definierte Angriffe. Pro Serie müssen drei Angriffe gezeigt werden, die zufällig und ohne vorgängiges Wissen der Wettkämpfer ausgelost wurden. Die Abwehrtechniken können die Wettkämpfer selbst bestimmen. Beispiel:

  • Serie A: Team Rot beginnt und betretet die Tatami. Der Kampfrichter gibt das ausgeloste Zeichen : «2» ! Das Team zeigt den Angriff A-2 und die individuelle Abwehr. Die Jury gibt die Wertung für die Performance. Der Ablauf wiederholt sich für zwei weitere Angriffe. 
  • Serie A: Team Blau kommt auf die Matten. Der Kampfrichter gibt dieselben Zeichen in abweichender Reihenfolge.
  • Es folgen analog Serie B (Blau beginnt) und Serie C (Rot beginnt).
  • Die Sieger des Kampfs werden durch die Punktzahl der Jury bestimmt. 

Der detaillierte Ablauf und die Feinheiten lassen sich im Wettkampfreglement Ju-Jitsu nachlesen. Im Anhang sind auch die definierten Angriffe aufgelistet. 

Tutorial der JJIF:


Wo und wie wird man Duo-System Athlet?

Während im Duo-System sehr athletische Fähigkeiten wie Kraft, Koordination und Schnelligkeit gefragt sind, betonen verschiedene Experten auch wiederholt, dass die Disziplin ebenso die Selbstverteidigungsfähigkeiten stärkt. Ein selbstbewusstes Auftreten, Reaktionsgeschwindigkeit und automatisierte Bewegungen sind die Folge. 

Viele gute Gründe, sich an diesem Wettkampfsport zu versuchen. Als eine der erfolgreichsten Duo-Athletinnen der letzten Jahre hat Sofia Jokl die besten Tipps für Beginner.

Sofia, warum hast du dich für das Duo-System entschieden? Was begeistert dich an der Disziplin?

S.J.: « Ich hatte damals meinen ersten Duo-Wettkampf 1999 bestritten. Dies war weniger ein bewusster Entscheid, als dass ich in diese Disziplin eher hineingerutscht bin. Mein Herz schlägt dennoch fürs Duo, ich fühle mich einfach wohl dort, weil es so vieles vereint. Auch Fighting und Ne-Waza finde ich sehr spannend und trainiere es gerne, aber für eine internationale Karriere wäre ich definitiv zu alt.»

Wo kann man idealerweise ins Duo-System einsteigen, was muss man beachten?

«Man braucht eigentlich nichts ausser einem Partner. Jede Kata, jedes eingeübte Wiederholen von Abläufen ist Duo-System! Um einzusteigen muss man auch keinen farbigen Gürtel tragen oder topfit sein. Duo-System ist – allenfalls etwas angepasst –  für alle geeignet, von jung bis alt. Nehmt vom Wettkampfreglement den "Anhang 2 – Angriffe" in die Hand, entscheidet euch für einen Angriff und hopp de Bäse! Angriff abwehren, Wurf oder Take-Down, Kontrolle am Boden und schon habt ihr eure erste Duo-Technik. Wenn ihr euch wohl fühlt mit dem Ablauf dann geht es ans Wiederholen, um an den Details zu feilen. Sobald es gut läuft, kommen Tempo, Ausdruck und Kiai mit rein – dann geht es so richtig ab!»

Welche Fähigkeiten braucht man, um im Duo-System erfolgreich zu sein?

«Um international mithalten zu können, braucht es wie in allen Sportarten viel Training. Im Duo-System ist es ein bisschen wie beim Tanzen – alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein: die Techniken, die Abläufe, jede Bewegung. Das geht nur über viele Wiederholungen. Grundvoraussetzung ist, dass man die Technik korrekt ausführt. Fehler oder Unsauberkeiten rächen sich spätestens dann, wenn es schneller wird oder sich irgendwo eine Variable ändert und es dann nicht mehr funktioniert. Natürlich muss man auch körperlich fit sein – vor allem Explosivkraft ist gefragt, um im Wettkampf die Schläge und Würfe mit Beschleunigung zeigen zu können. Und dann kommt noch das "Kime" dazu: der innere Kampfwille, der sich nach aussen überträgt; die Harmonie zwischen Körper und Geist.»

→ Weitere Infos zu Regionaltrainings, bei denen Duo-System angeboten werden.


Rückblick zur Ju-Jitsu SM 2019


 

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