WM 2021, - Benar Baltisberger

Ciril Grossklaus und die unerbittliche Seite des Leistungssports

image

Bei der Judo WM 2021 in Budapest stand Ciril Grossklaus (-90kg) mit einem Fuss im ersehnten Viertelfinale – doch es kam anders…

image

« Erkämpft – glücklich – bitter » – mit diesen Worten beschreibt Ciril Grossklaus auf Social Media seinen letzten Auftritt bei einer Judo Weltmeisterschaft. Wahrlich, ein Wechselbad der Gefühle, turbulent, drunter und drüber und in gewisser Weise wiederspiegelt der Turnierverlauf dieser WM das Geschehen von Cirils Olympiade seit 2016. Sein Weg erzählt die Geschichte von beherztem Einsatz, von Siegen gegen Topfavoriten, aber auch von schmerzlichen Niederlagen – und am Ende zeigte sich die Unerbittlichkeit der Sportwelt. Doch nur wer einem solch harten Schicksal mutig entgegenblicken kann, hat überhaupt die Kraft, diesen emotionalen und steinigen Weg auf sich zu nehmen. 

Erkämpfen musste sich der Schweizer den Sieg in der Startrunde. Dzhakhongir Madzhidov (TJK) wäre als erst 21-jähriger Nachwuchsathlet zwar die Aussenseiterrolle zuzusprechen, doch der junge Kämpfer aus dem Hochgebirgsland zeigte sich aufmüpfig und angriffig, seine Waza-Ari-Führung war gerechtfertigt. Ciril zog den Kopf noch einmal aus der Schlinge: auf einen Konter folgte ein gnadenloser Übergang in die siegreiche Festhaltetechnik. Ein Duell, das – symbolisch auf die Olympiade projiziert – für das Kämpferherz des Schweizers und für den Glauben an sich selbst steht. Sich nicht aufgeben, auch wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, das ist hier die Botschaft. 

Glücklich war in gewisser Hinsicht der zweite Kampf. Die Nummer 7 der Weltrangliste, Beka Gviniashvili (GEO), grüsste als einer der Favoriten zum Turnier an. Doch der Georgier riskierte zu viel für einmal! Bei seinem «Khabarelli»-Versuch schlängelte sich sein eigenes Bein zu weit um jenes des Schweizers, was vom Unparteiischen mit einer Disqualifikation bestraft wurde. Ein Spitzenreiter war damit geschlagen. Diese zweite Runde war zeichnend für die Tatsache, dass Ciril bei vergangenen Wettkämpfen früh auf einen Topfavoriten traf. Und es war gewiss nicht das erste Mal, dass sich der Schweizer durchsetzen konnte. Bei der EM 2019 in Minsk (BLR) besiegte Ciril die Weltnummer 1, Nikoloz Sherazadishvili (ESP), den späteren Weltmeister von 2021. Vielfach forderten die schweren Hürden aber einen zu hohen Preis und die wichtigen Punkte konnten zu selten auf das Schweizer Konto geschrieben werden. 

Bitter. Ein einfaches Wort, das die dritte Runde und die ganze Olympiade treffend betitelt. Der Sieg gegen Remi Feuillet (MRI), der Einzug ins Viertelfinale und die Olympiaqualifikation wären absolut dringelegen. Ein ausbalanciertes Duell endete nach 30 Sekunden Goldenscore zugunsten des Mauritianers. Trotz viel Arbeit und hartem Einsatz hat es am Ende nicht gereicht – nicht für das Viertelfinale und wohl auch nicht für eine Kontinentalquote.

Der Leistungssport zeigte seine unnachsichtige Seite. Doch lehrte er uns auch vieles: Selbst wenn es nicht lief, wie gewünscht – Ciril glaubte an sich. Selbst wenn er Favoriten ins Auge blicken musste – Ciril erwiderte den Blick selbstbewusst. Und ja, selbst wenn am Ende der Traum der zweiten Olympischen Spiele nicht in Erfüllung ging – Ciril wird diesen Weg nie bereuen müssen. Der einmalige Weg der Champions. Was man auf diesem Weg erfährt, zurückerhält und für das Leben lernt, ist und bleibt: einzigartig.
 

→ Rückblick & Resultate

 


 

Top News

Selektion für die Ju-Jitsu Europameisterschaft 2021

Die Auswahlkommission für Ju-Jitsu der Abteilung Leistungssport hat die folgenden Athlet*innen für ...

Erstes Veteranen-Training im Jahr 2021

Am 5.6.2021 durften die Veteranen nach vielen Monaten verordneter Trainingspause endlich wieder auf ...

Nationalliga-A als semiprofessionelle Liga anerkannt

Nach mehreren Anträgen des Chef Breitensports Alexis Landais an Swiss Olympic, ...

Ciril Grossklaus und die unerbittliche Seite des Leistungssports

Bei der Judo WM 2021 in Budapest stand Ciril Grossklaus (-90kg) mit einem Fuss im ersehnten ...


 

News:

Intro image
Ju-JItsu EM

Selektion für die Ju-Jitsu Europameisterschaft 2021

Die Auswahlkommission für Ju-Jitsu der Abteilung Leistungssport hat die folgenden Athlet*innen für die nächstenEuropameisterschaften selektioniert, die vom 17. bis 21. Juli in Maintal, Deutschland, stattfinden werden:


Intro image
Veteranen

Erstes Veteranen-Training im Jahr 2021

Am 5.6.2021 durften die Veteranen nach vielen Monaten verordneter Trainingspause endlich wieder auf die Matten.


Intro image
SMM

Nationalliga-A als semiprofessionelle Liga anerkannt

Nach mehreren Anträgen des Chef Breitensports Alexis Landais an Swiss Olympic, erhielt der Verband diese Woche zum Abschluss eine gute Nachricht.


Intro image
WM 2021

Ciril Grossklaus und die unerbittliche Seite des Leistungssports

Bei der Judo WM 2021 in Budapest stand Ciril Grossklaus (-90kg) mit einem Fuss im ersehnten Viertelfinale – doch es kam anders…


Intro image
WM 2021

WM: Nils Stump von Weltnummer 1 gestoppt

Ein hartes Los forderte seinen Tribut: Nach zwei starken Siegen unterlag der Schweizer Judoka Nils Stump in der dritten Runde dem Japaner Soichi Hashimoto. 


Intro image
WM 2021

Athletin und Coach über den WM-Erfolg

Fabienne Kocher: «Es hatte einfach alles gepasst. Ich war bereit für die Kämpfe!»


Intro image
WM 2021

WM-Bronze für Fabienne Kocher!

Sensationeller Erfolg für die Schweizer Judoka Fabienne Kocher – Die Athletin der Kategorie -52kg  gewinnt bei der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille. Evelyne Tschopp 


Intro image
WM 2021

WM: Ciril Grossklaus über Favoriten, seine Olympia-Hoffnung und Tipps für den Nachwuchs

Ein letzter Auftritt auf der Weltbühne? Wir blicken der grossen Herausforderung hoffnungsvoll entgegen und sagen: «Du packst das, Ciril!». Der Athlet selbst als auch Coach Budolin sind überzeugt, dass das Ziel der Olympischen Spiele realistisch ist.