Judo WM Astana, - Olivier Remy (L'Esprit du Judo)

Spannende Artikel zur Judo WM

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Berichterstattung zu unseren Kämpfern aus der Sicht von Olivier Remy (L'Esprit du Judo)

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1. Tag:

Kasachstan in Aufruhr! Der Triumph der -48kg Athletin Paula Pareto, auch „La Peque“ (die Kleine) genannt, zweite argentinische Weltmeisterin nach Daniela Krukower (-63kg) 2003, wurde heute, am ersten Tag der Weltmeisterschaften in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, beinahe zur Nebensache. Verantwortlich dafür ist ein Duo, deren individuelle Stärken von vielen gefürchtet wurden, die aber dennoch kein Buchmacher als Finalisten des Tages zitiert hätte. Yeldos Smetov, fünfter am Grand Prix von Tbilissi und den Asia Games – welche er letztes Jahr gewonnen hatte – sorgte für die Sensation bei sich in Kasachstan, indem er sich gegen seinen zwei Jahre älteren Landsmann Ibrayev mit Strafen durchsetzte. Es war nicht ein Final von grosser Tragweite, aber ein ereignisreicher Tag für die beiden Männer. Denn auch wenn Ganbat, der mongolische Weltmeister eine solide Leistung gezeigt hatte, indem er den Brasilianer Kitadai im Viertelfinale durch einen gut ausgeführten seitlichen Sumi-Gaeshi aus dem Turnier geworfen hatte, waren es dennoch Ivrayev und Smetov, die es zur grossen Freude des Publikums immer wieder geschafft haben, gefährliche Situationen zu meistern. Eben dieser Ganbat stand im Halbfinale Ibrayev gegenüber, der diesen mit einen Yuko zu Boden brachte, während auf der benachbarten Matte der Japaner Shishime, Bezwinger des Brasilianers Takabatake und des gefährlichen Koreaners Won-Jin Kim, nur Einbussen gegen Smetov verzeichnen konnte, der ihn ebenfalls mit einem Yuko durch Kata-Gruma bezwang, trotz drei Shido. Ibrayev-Smetov, das war der unvorhergesehene Final, aus welchem Smetov mit einer Strafe weniger als Sieger hervorging. Damit ist er der zweite Weltmeister im Judo in der Geschichte eines Landes, das nur 25 Jahre alt ist, nach Maxim Rakov 2009. Eine Gemeinsamkeit, welche Yeldos Smetov folglich mit der anderen Weltmeisterin des Tages verbindet. Im Alter von 29 Jahren hat Paula Pareto, Olympiamedaillengewinnerin von 2008 und Vize-Weltmeisterin von 2014 in Chelyabinsk, den Weltmeistertitel errungen, indem sie nacheinander die Belgierin Van Snick (mit Strafen), die Ungarin Csernoviczki (Wertung), die kleine Koreanierin Jeong, aber auch die zweifache Weltmeisterin Haruna Asami im Final mit einem hervorragenden Einsatz und durch ihren Seoi-nage und ihren Sode bezwang.

2. Tag:

Japan und Korea positionieren sich! Weil es keine europäische Goldmedaille für den Kosovo zu gewinnen gab durch Maijlinda Kelmendi (zweifache Weltmeisterin in der Kategorie -52kg, anwesend in Astana, jedoch mit einer Rückenverletzung, weswegen sie den Tag von der Tribüne aus mitverfolgte), wie letztes Jahr, und keine vierte Goldmedaille vom Japanischen Samurai Masashi Ebinuma, der deswegen gekommen war, wurde die Alau Ice Arena Zeuge der Krönung von zwei Kämpfern unterschiedlichen Formats. Zuerst diejenige der Japanerin Misato Nakamura in der Kategorie -52kg, welche ihre Krone wiedergefunden hat, sie, die in der Vergangenheit schon zweimal ausgezeichnet wurde und die nun die Silbermedaille der Rumänin Andreea Chitu überliess, zweifache Europameisterin und schon letztes Jahr Finalistin an der Weltmeisterschaft, der es jedoch nicht gelang auf dem Treppchen eine Stufe höher zu steigen. Die zweite Krönung, ist die des sehr jungen 21-jährigen Koreaners An Baul. Der Vizeweltmeister der Junioren 2011 und Goldmedaillengewinner 2013 schaffte den Sprung vom fünften Rang am Grand Slam Tokyo zum Weltmeistertitel der Elite in Astana in nur neun Monaten, indem er alle starken Gegner des Tages in einem sehr anspruchsvollen Pool schlug, zuletzt den Russen Pulyaev im Final mit der vierten Strafen im Golden Score. Pulyaev? Ein unglücklicher Finalist von 2014, ebenso wie Chitu, der, auch wenn er seine Konstanz mit diesem zweiten Weltmeisterschaftsfinal in Folge bewies, in diesem komplett scheiterte, ohne ausdruckstarkes Judo zu zeigen, obwohl er eigentlich ein ausgezeichneter Techniker ist. Eine Sache könnte einige Beobachter am Ende dieses zweiten Wettkampftages beunruhigen: diesen Meisterschaften fehlt es an charismatischem Judo. Die Medaillenkandidaten wissen, was es zu tun gilt. Zurzeit platziert sich Japan an der Spitze des Nationenklassements mit vier Medaillen, eine davon Gold, vor Kazakhstan und Korea. Morgen heisst es Bühne auf für die Kategorien -57 (F) und -73 (M).

Ludovic Chammartin (-60kg)
Die Auslosung bescherte dem Schweizer keine einfache Aufgabe: der junge Mongole Tsogtbaatar Tsendochir (2013 Jugendweltmeister und 2014 Vizeweltmeister der Junioren) hat auch schon bei der Elite starke Leistungen gezeigt, unter anderem Bronzemedaillen an den Grand Prix in der Türkei und in der Mongolei. Damit hatte er sich als Nummer 2 der Mongolen hinter dem aktuellen Weltmeister Boldbaatar Ganbat etabliert.
Dank seiner tollen Medaille im Juni an den European Games in Baku nach Verletzungspause hatte "Ludo" allen Grund an einen Erfolg zu glauben. Leider gelang es dem Linkskämpfer aus dem Steppenland von Anfang an zu dominieren und diesen Druck aufrecht zu erhalten, was zu drei Bestrafungen des Schweizers führte und am Schluss den Kampf mit eine Schulterwurf mit Ippon zu beenden. "Es gibt nichts zu sagen, er war besser, Ich bin enttäuscht, aber das ist Judo", meinte Chammartin beim Verlassen der Matte.

Evelyne Tschopp (-52kg)
Evelyne war Finalistin des Europacups in Uster bei ihrem ersten Start in der neuen Kategorie -52kg. Zwei Wochen später wurde sie Siebte am Grand Prix Samsun und dann auf dem Podium der Universiade Anfang Juli. 
Evelyne musste im zweiten Kampf gegen die Französin Annabelle Euranie antreten. Euranie war Europameisterin 2003 und Vize-Weltmeisterin im selben Jahr und hatte 2006 ihre Karriere beendet. 2014 hatte sie ein Comback gegeben und sich auf Platz 1 in Frankreich gekämpft, 2015 wurde sie Vize-Europameisterin. Die Schweizerin hatte schon in Baku gegen die grosse Französin an den European Games verloren und wusste deshalb um deren Stärken. Es ging deshalb vor allem darum zu verhindern, dass die Französin ihren starken Griff platzieren konnte. Leichter gesagt als getan. Euranie wurde für Passivität bestraft, konnte aber einmal mit einer Waza-ari-Wertung punkten. Es war ihre einzige Aktion, während Evelyne zu kontern versuchte. Evelyne: "Ich hatte eine Strategie im Hinterkopf: meinen linken Arm hoch platzieren und angreifen, bevor sie ihren Uchi Mata einsetzen kann. Ich habe wirklich das Gefühl, alles gegeben zu haben, aber sie hat nichts gemacht, keine Angriffe, sie hat kein Judo gemacht. Sie erhielt drei Shido, es hätte auch ein Viertes geben können, vor allem weil sie nur versucht hat, mein Judo zu verhindern und keine Angriffe zuzulassen. Ich habe versucht zu kontern. Einmal ist es mir gelungen, leider gab es nur ein Yuko. Es ist wirklich sehr frustrierend. Ich bin sehr sehr enttäuscht. "

Fabienne Kocher (-57kg)
"Ich blicke nach vorne. Ich hatte mich entschieden direkt mit der WM wieder einzusteigen, nachdem ich verletzungsbedingt für längere Zeit nicht auf der Matte stand. Der Kampf war sehr physisch und es fehlte mir dann an Kraft und Rhythmus, um nochmals das Tempo zu erhöhen, wie sich in dem Moment zeigte, als die Ukrainerin bereits drei Strafen hatte. Im Wettkampf war ich ihr bisher nicht begegnet, nur einmal in einem Trainingslager in Kiev. Ich kannte ihren Sode, mit dem sie mich Yuko erwischt hatte. Jedenfalls tut es gut wieder im Kreis der internationalen Spitze zu agieren und die Atmosphäre zu geniessen. Es war schmerzhaft nur Zuschauerin zu sein. Nun schaue ich nach vorne."

Emilie Amaron (-57kg)
"Das ging sehr schnell. Ich kannte die Kämpferin nicht und sie hat mich überrascht. Ich weiss nicht mehr recht wie das passierte. Ich hatte ein wenig Druck in Bezug auf den Event, aber ich konnte gut damit umgehen und abgesehen von einer kleinen Verletzung am Knöchel hatte ich auch eine gute Vorbereitung, insbesondere im Trainingscamp in Israel. Ich war gut und konzentriert in den Kampf eingestiegen, fühlte mich gut in der ersten Minute und konnte meinen Sasae ansetzen. Dann die entscheidende Aktion, ich glaube sie attackierte mit Kreuzgriff, während ich den Griff oben setzte. Dann ging es sehr schnell. Das ist hart."

Domenic Wenzinger (-90kg)
"Ich konnte die Lösung nicht finden. Einen Kampf auf dem selben Niveau zu führen, ist immer mit viel Druck verbunden. Ich war ihm (Ciechomski) vorher noch nie im Kampf begegnet. Ich wusste, dass er Rechtskämpfer war, dann konnte er aber plötzlich auch in die linke Lage wechseln. Ich versuchte, nicht passiv zu sein, habe aber dann die Lösung nicht gefunden. Das ist Judo. Das Niveau hier ist extrem hoch in allen Kategorien, es gibt keinen einfachen Kampf für keinen. Ich denke dabei auch an einige grosse Namen, die schon früh ausgeschieden sind innerhalb der ersten Runden."

Ciril Grossklaus (-90kg)
"Es ist eine gute Chance, so einen Kampf zu machen. Iliadis in der ersten Rune ist auch ein Glück für mich. Klar, ich habe verloren. Ich hatte die Strategie seinen Arm, mit dem er das Revers fasst, zu kontrollieren, um zu vermeiden, dass er sich in seiner starken Position befindet. Ich habe es nicht geschafft, aber es war eine schöne Herausforderung. Vor zwei Tagen hatte ich mir nochmals unsere Begegnung vom Februar 2014 in Düsseldorf angeschaut, das einzige mal, wo ich auf ihn traf im Kampf. Ich habe mich darauf fokussiert, mich auf diese Art von Kampf zu freuen, daran kann ich wachsen. Man muss positiv bleiben, um sich zu verbessern. Bei der Niederlage gibt es nichts anderes, als sie zu akzeptieren und vorallem weiter an meinen Erfolg zu glauben, jedesmal wenn ich auf die Matte gehe."

Juliane Robra (-70kg)
"Ich habe meinen Kampf gut begonnen gegen die Koreanerin Kim, auch beim Aufwärmen lief es sehr gut für mich. Doch sie hatte sehr viel angegriffen und ich konnte keine Lösung finden, ich habe mich überrennen lassen. Das Tempo war extrem hoch und sie hat mich klar dominiert. Ich kann das definitiv besser und das ärgert mich. Doch es ist geschehen. Ich muss jetzt nach vorne schauen und mich weiter auf die Qualifikation für die OS konzentrieren indem ich gute Resultate bei allen Einsätzen anstrebe. Ich muss das Nötige tun, damit ich das was ich im Training erreiche, auch im Wettkampf umsetzen kann."


 


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