EM Kazan 2016, - Benar Baltisberger

Reaktionen der Athleten nach den Europameisterschaften

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Lest, was die Schweizer Judoka nach ihren Kämpfen zu ihren Einsätzen zu sagen hatten...

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Will die Zügel wieder in die Hand nehmen: Ludovic Chammartin, -60kg | Bild: Archiv SJV / P. Lozano

Juliane Robra „ Das ist nicht das Ende“
„Dies war meine letzte Europameisterschaft, dementsprechend wollte ich nochmals richtig Gas geben. Ich war aufgeregt und hatte Lust, mich zu duellieren, als ich ankam. Nach einem Sumi-Gaeshi und dem folgenden Konter der Griechin, war leider alles sehr, sehr schnell vorbei. Die Europameisterschaft ist sicherlich ein hochkarätiges Turnier, das Niveau ist sehr anspruchsvoll und um zu gewinnen, müssen alle Faktoren im richtigen Moment aufeinander abgestimmt sein. Es ist enttäuschend, ich war nicht so effizient, wie ich es eigentlich bei meinem letzten EM-Einsatz hätte sein wollen. Aber ich habe mein Bestes gegeben. Die Olympischen Spiele? Man darf nie aufgeben, das Rennen ist noch nicht zu Ende, aber man muss auch realistisch bleiben. Jedenfalls wird es keine wirkliche Pause für mich geben, denn ich will mich kontinuierlich verbessern. Das Judo ist ein Teil meines Lebens, alles was ich gelernt habe ist wertvoll, so auch alle Erfahrungen, die ich gemacht habe. Auch wenn es kein Wettkampf auf Hochleistungsniveau mehr geben wird, wird das Judo stets da sein und es gibt auch immer Projekte, die darauf warten, in Angriff genommen zu werden. Oder anders gesagt: Auch wenn dies meine letzte EM war, ist das, was jetzt kommt, nicht das Ende sondern die Fortsetzung.“

Ciril Grossklaus „Eine Niederlage ist nur nützlich, wenn man daraus auch etwas lernt“
„Einige Wettkämpfe sind schwieriger als andere. An diesen Meisterschaften wurde einem nichts geschenkt. Das Duell gegen den Ungaren war schon hart. Er erzielte eine Yuko-Wertung mit Uchi-Mata, und ich musste ordentlich Druck aufbauen damit es mir noch gelang, das Duell zu meinen Gunsten zu drehen. Ich punktete mit einem Sumi-Gaeshi, den ich eigentlich nie mache, aber ich nutzte die Gelegenheit, die er mir bot, denn unter dem Druck neigte er sich und ich konnte davon profitierten. Meine Willensstärke hatte nicht gelitten nach diesem Kampf und ich war positiv gestimmt, was meine Siegeschancen betraf. Danach, gegen Nahbali, rief der Kampfrichter zuerst ein Ippon für mich gegen diesen Kämpfer aus, den ich in Havanna 2015 geschlagen hatte, indem ich praktisch während des ganzen Kampfes ein Shido abgewehrt hatte – das zu einer Zeit als ich in Topform war. Die Wertung wurde dann jedoch auf Yuko herabgesetzt, was meine Konzentration zunichte machte. Das wirkte sich auf den weiteren Kampfverlauf aus, ich verlor den Faden und die Führungslinie. Es ist Schade, aber er ist ein Kämpfer mit einem sehr guten Niveau. Jetzt? Ich muss in den Turnieren, die noch anstehen, mich nicht unter Druck setzen lassen und mich davon überzeugen, dass ich diese Art von Gegner schlagen kann. Eine Niederlage ist nur nützlich, wenn man daraus auch etwas lernt. Ich werde diese Nutzen, um weiterzukommen.“

Evelyne Tschopp, 5. Rang in der Kategorie -52kg : „Es wird eng werden, aber es ist möglich“
„Im ersten Kampf gegen die Rumänin Florian, werteten die Kampfrichter zuerst Ippon gegen mich, setzten es danach aber auf Waza-Ari herunter. Ich war also zurück im Kampf. Ich kannte ihren Stil: Sie ist grösser als ich und bekannt für ihre Linksauslage, was von Vorteil für mich und meinen O-Uchi-Gari ist. Bis zum Schluss hatte ich das Gefühl, dass ich es schaffen würde, sie zu Fall zu bringen, gab nicht auf und so fiel die Entscheidung in den letzten Sekunden. In der zweiten Runde gegen die Italienerin Giuffrida, die ich gut kenne und die mir wirklich Mühe bereitet mit ihrem Kumi-Kata, blieb ich konzentriert und stellte meine Hüfte quer, damit sie ihren Seoi-Nage nicht ansetzen konnte. Mein Coach hatte mir vor dem Kampf geraten, es mit O-Soto-Gari zu versuchen… Daraus wurde eher ein Maki-Komi, aber ich war von mir selbst überrascht in diesem Kampf, denn ich hatte nicht wirklich daran geglaubt, dass mir es gelingen würde, sie zu werfen. Im nächsten Kampf gegen die Französin Euranie wusste ich, dass ich ihr punkto Ausdauer überlegen war. Also hütete ich mich davor, nicht schon in der ersten Minute zu fallen, aber es gelang mir nicht, mehr Druck auf sie auszuüben. Deshalb war es besser sie mit mehr Kumi-Kata anzugehen, um so ihre aufrechte Position ins Wanken zu bringen. Es war enttäuschend, diesen Kampf zu verlieren, aber ich musste aktiv bleiben, um im Rennen für Rio zu bleiben. Danach war Schwartz an der Reihe. Ich wusste, dass ich mich vor ihrem Uchi-Mata in Acht nehmen musste. Sie ist sehr stark mit ihrem rechten Arm, aber wie Florian machte sie einige Bewegungsfehler, die mir die Chance lieferten meinen O-Uchi anzusetzen. Ich führte und sagte innerlich zu mir: „ Komm schon Evelyne, du hast Giuffrida besiegt, du bist noch im Spiel, mach weiter!“ Leider kämpfte ich dann im Kampf um Bronze gegen Chitu nicht gut. Ich startete schlecht und liess mich herumkommandieren. Ich musste aggressiver werden und mehr Einfluss auf sie ausüben. Es gab Momente, wo ich die Möglichkeit gehabt hätte, sie mit Uchi-Mata zu werfen, aber ich machte zu viele Fehler beim Griffkampf. Ich gehe also ohne Medaille nach Hause… Es wird eng werden, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, aber es ist immer noch möglich. Mit einer Bronzemedaille um den Hals würden die Dinge anders stehen, aber es bleiben noch zwei Wettkämpfe und somit zwei weitere Chancen, Punkte zu sammeln. Ich habe in dieser Saison gezeigt, dass ich Medaillen gewinnen kann. Das ist mein Ziel: meine zweite Grand Slam Medaille in Baku zu gewinnen.“

Emilie Amaron -57kg: Receveaux baute mehr Druck auf.“ 
„Als ich hier in Russland ankam, sagte ich mir, dass ich nichts zu verlieren hatte. Ich stand wirklich nicht unter Druck. Selbst, als ich die Matte betrat, war ich ruhig und ausgeglichen. Ich wusste dass diese Spanierin in der ersten Runde, Equisoain, die mir einige Probleme bereitet, aber die ich dennoch zuletzt in einer Begegnung in der Schweiz geschlagen hatte, mit voller Wucht in den Kampf geht, ohne dabei selbst viel anzugreifen. Deshalb hütete ich mich davor, den selben Fehler, den ich in den vergangenen Monaten manchmal gemacht hatte, wieder zu begehen: Ich musste unbedingt selbst aktiv den Kampf bestimmen. Manchmal ist es jedoch nicht möglich, diese Taktik durchziehen. Dann läuft eben alles auf die Strafen hinaus, mit denen ich den Kampf gewinnen konnte. Ich wusste, dass die Französin Receveaux in der nächsten Runde auf mich wartete. Sie baute enorm viel physischen Druck auf, etwas, das ich mir vielleicht noch ein wenig mehr aneignen müsste, um gegen diese Art von Gegner zu bestehen. Ausserdem kam sie bis zur EM immer besser in Form… selbst wenn der Rest des Tages nicht wie gewohnt gut für sie verlief, was mich ein wenig missmutig stimmte im Hinblick auf unser Resultat. Mein grosses Ziel waren sicherlich die Olympischen Spiele. Nun kann man eigentlich sagen, dass alles vorbei ist. Ich wusste es eigentlich schon nach dem letzten Grand Slam in Paris. Es war hart, dies zu akzeptieren. Falls ich an anderen Turnieren teilnehmen werde, wird das nur zum Spass sein. Ich werde auch ein wenig ausspannen, damit die Freude am Ganzen wieder im Vordergrund steht. In einem Monat werde ich 26 Jahre alt und die Arbeit der letzten Zeit wird im Hinblick auf die Zukunft nicht umsonst gewesen sein.“

Ludovic Chammartin: Nun ist es an mir, Verantwortung zu übernehmen!“ 
„Ich bin definitiv sehr enttäuscht von meiner Leistung. Ich trat gegen den Bulgaren Gerchev an, den ich gut kannte und liess mich in einen taktischen Kampf verwickeln. Ich wusste, dass dies nicht meine Stärke ist und deshalb hatte ich schnell eine Strafe auf meinem Konto, er hingegen nur eine. Er übernahm die Führung und setzte zu unverhofften Angriffen an, bevor ich meine auspacken konnte. Eine Niederlage in der ersten Runde ist bitter, da kann man nicht sehr viel mehr dazu sagen. Ich fühlte mich gut vor dieser EM, ich dachte ich sei in guter Form. Jetzt? Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich hoffe, dass es in Almaty und Baku, an meinen nächsten Turnieren, besser laufen wird. Klar, ich bin 19ter im Olympiaranking, einmal abgesehen von den doppelten Länderbesetzungen, das heisst, ich bin qualifiziert. Aber dieses Wochenende hätte ich klar die Chance gehabt eine gute Leistung zu liefern. Es bleiben noch zwei weitere Wettkämpfe und dort muss ich gut sein. Der Weg nach Rio ist noch nicht zu Ende. Nun ist es an mir, Verantwortung zu übernehmen!“ 


 


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