EM 2021, - Benar Baltisberger

EM-Bronze für Nils Stump!

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Judoka Nils Stump gewinnt bei der Europameisterschaft 2021 in Lissabon (POR) Bronze -73kg. Auf seinem Weg zum Edelmetall besiegte der Schweizer eine hochkarätige Konkurrenz.

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Nils Stump (2 v.r.) überzeugte in Lissabon und gewinnt EM-Bronze. | EJU

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Was für ein Tag, was für eine Leistung. Nach fünf Kämpfen und vier Siegen stand es fest: Nils Stump holt sich bei der EM in Portugal sensationell die Bronzemedaille. Ein grossartiges Resultat, ein wichtiger Meilenstein in seiner Karriere – und ein Zeichen für Olympia! 

Klare Ansage

Das Ziel des 24-Jährigen vom JC Uster war im Vorfeld klar: «Nach dem 5. Rang im letzten Jahr bin ich besonders motiviert, dieses Jahr die Medaille zu holen». Diese Motivation war dem Athleten von Beginn weg anzusehen. Sein erster Kontrahent, Bayram Kandemir (TUR), erwies sich zunächst zwar als zähe Aufgabe. Doch Nils wurde der Favoritenrolle gerecht, siegte mit gekonnter Bodentechnik und wuchs in den nachfolgenden Kämpfen über sich hinaus – einmal mehr! Auch Fabio Basile (ITA) hatte als amtierender Olympiasieger der Klasse -66kg an diesem Tag das Nachsehen gegen den Schweizer. Die Entscheidung erfolgte erneut im Bodenkampf und Nils zog ins Viertelfinale ein. 

Standhaftigkeit 

Dass Nils Stump einen griffstarken Kampfstil hat ist bekannt. Auch mit seinen Künsten im Ne-Waza (Bodenkampf) konnte er in der Vergangenheit schon zahlreiche Gegner bezwingen. Doch gerade im Bereich der Standhaftigkeit war bei der diesjährigen EM ein deutlicher Fortschritt erkennbar. Dies war insbesondere gegen den Viertelfinalgegner, Tommy Macias aus Schweden, elementar wichtig. Schliesslich ist Macias, der seinerseits bereits 4 EM-Medaillen holte, für seine unorthodoxen Techniken bekannt. Nils bewies nicht nur sein Stehvermögen, sondern überzeugte selbst mit offensivem Judo. Als Höhepunkt im Kampf folgte eine exemplarische Ausführung seines «O-Soto-gari», der ihn ins Halbfinale beförderte.

Es kam zum Halbfinalkampf gegen Akil Gjakova (KOS). Der rechte Arm des Kosovaren erwies sich als nur schwer kontrollierbar. Als es phasenweise gelang, insbesondere im späteren Kampfverlauf, eröffneten sich sichtlich mehr Möglichkeiten. So gestaltete sich das Duell ausgeglichen und sollte erst im Goldenscore entschieden werden. Mit einer rasanten Schultertechnik sicherte sich Gjakova den Einzug ins Finale – Nils wahrte indes seine Chancen auf Bronze.

Kompromisslos

Vom verlorenen Halbfinalkampf ins Bronzefinale zu gehen, ist eine mentale Challenge. Man kommt von einer Niederlage, der Konkurrent aus dem Hoffnungslauf hatte seine letzte Runde gewonnen. Mit dem klaren Ziel vor Augen nahm Nils diese Herausforderung an und dominierte das Kampfgeschehen von Anfang an. Der Italiener Giovanni Esposito schien hier nur noch eine Nebenrolle zu spielen: der Schweizer glänzte mit seinem beharrlich starken Auftritt, punktet zweimal mit Waza-Ari und beanspruchte das Edelmetall für sich. Verdient, man darf nur noch gratulieren.

«Ich denke, dass ich einen guten Einsatz zeigen und mein Judo durchsetzen konnte. Ich ging fokussiert von Kampf zu Kampf, das war heute mein Weg zum Erfolg», so Nils Stump kurz nach dem Einsatz. 

Blick nach Tokio

Gemessen an den Punkten für die Weltrangliste ist eine Kontinentalmeisterschaft auf der Stufe eines Grand Prix. Zwar begünstigt das gute Resultat die Position im Ranking, doch gilt es vorweg die gezeigte Leistung an einem Prestige-Event wie einer EM herauszuheben. Nils demonstrierte, dass er namhafte Medaillenkandidaten unter Druck besiegen kann – und wird damit selbst zur Medaillenhoffnung. Ein Fingerzeig nach Tokio. Wir verfolgen die Geschichte weiterhin gespannt. 
 

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